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Die WG stellt sich vor

Das Mammut

Seit Anbeginn der Zeit hat das Mammut viele Turniere, Trainer, Spieler kommen und gehen sehen. Mit einem weitsichtigen, immer noch ungetrübten Blick kommentiert es die Weltlage rund um den 1. FC Magdeburg mit geistreichen Anekdoten, ohne dabei die journalistischen Grundprinzipien aus den Augen zu verlieren. Als Genießer teurer Zigarren, guter Whiskeys und schöner Frauen sehnt er sich nach einem Fußball zurück, der von Männern gespielt und von Männern analysiert wurde. Eine Affäre mit einer Volontärin wurde ihm als Sport-Ressortchef der regionalen Zeitung zum Verhängnis. Seinen momentanen Posten als Redakteur einer Online-Gratiszeitung hat er einem gut ausgebauten Netzwerk zu verdanken. Diesen Job erledigt er gewissenhaft, aber mit dem Selbsthass, dass der Online-Journalismus niemals das gedruckte Wort verdrängen kann. Als karrieristischer Strippenzieher plant er fest mit der Rückkehr auf den Chefsessel seines Sportressorts.

Junior

Als studierter Diplom-Kulturwissenschaftler ist Junior der festen Überzeugung, dass Sportjournalismus mehr bieten muss als nur Ergebnisse. Diese innere Arbeitseinstellung hat er sich nicht nur in zahlreichen Praktika angelernt, sie fand vor allem zu ihm, als Daniela aus der 7b mit diesen Zeilen Junior zugleich sein Poesiealbum zurück und ihm einen Korb gab. Seitdem lebt der wortgewandte Autor für das Schreiben und Recherchieren. Aus dem Räderwerk des Journalismus mit seinen Volontariaten, pauschalen Arbeitsverträgen und unsicheren freien Anstellungen ist Junior gestärkt hervorgegangen. Er beherrscht die Klaviatur des klassischen Journalismus ebenso wie die digitale Kommunikation über soziale Medien und neue Erzählformen. Mit Bedacht auf seine Karriere geht er diesem Streitthema zwischen ihm und dem Mammut klugerweise meist aus dem Weg. Viel lieber vertieft sich der schöngeistige Akademiker in seiner Freizeit in die klassische Musik von Brahms und beschäftigt sich mit der von seinem Großvater vererbten Modelleisenbahn. In melancholischen Momenten verliert sich der trinkschwache Junior in Gedanken an Daniela aus der 7b.

Mischa

Wie kein anderer in der Magdeburger Presse-WG hat der Mischa verinnerlicht, dass man den Leuten da draußen zuhören muss. Zuhören und ihre Aussagen für die vorgefertigte Geschichte anpassen. Mit der Aura eines Gebrauchtwagenverkäufers versehen, dessen frühe Boxkarriere durch eine Kneipenschlägerei ein jähes Ende nahm, bekommt der Mischa alle auf seine Redaktionscouch: Jene, die etwas zu sagen haben und jene, die das noch gar nicht wussten. Bei der Wahrheit achtet er dabei ebenso wenig auf Qualität wie beim Inhalt seines mit Leder ummantelten Flachmanns. Sportjournalistische Edelfedern mit feuilletonistischem Hintergrund sind ihm ebenso ein Gräuel wie eine gründliche Recherche. Der Mischa zeigt sich wie sein Blatt überparteilich und unabhängig – vor allem vom Pressekodex und dem Duden. Mit seiner Vorliebe für schnelle Autos und schrille Mode kaschiert er seine fortdauernde Mid-Life-Crisis, während seine cholerischen Wutanfälle in der Magdeburger Presse-WG stets gefürchtet sind. Unter den wachen Blicken eines übergroßen Axel-Springer-Plakats lauert Mischa stets auf die nächste große Kampagne zum 1. FC Magdeburg.

Hansi

Hansi hat ein Gespür wie kein Zweiter, hitzige Debatten in der WG mit elend langatmigen Monologen zu entschärfen. Noch immer leidet er darunter, dass sein Stern am Journalisten-Himmel nicht aufgegangen ist. Häufig wird er auch von Spielern und Trainerteam des hiesigen Sportvereins nicht erkannt. Dabei war Hansis Vater zu DDR-Zeiten eine große Nummer in der Magdeburger Presse-Szene. Jeder in der WG kann dutzende Geschichten über ihn erzählen. Bei Auswärtsspielen bestellt Groundhopper Hansi seine Pressekarten daher meist unter dem Pseudonym seines Vaters. Über seinem Bett prangt die Auszeichnung als „Bester Lokaljournalist von Fermersleben“ aus dem Jahr 1992. Seit seinem Autounfall mit einem Rehkitz benutzt der Tierliebhaber nur noch das Fahrrad als Fortbewegungsmittel. Mit Mischas Wutausbrüchen kann Hansi überhaupt nicht umgehen, meist bricht er dann in Tränen aus. Doch heißer Kakao – aber nur nach Omas altem Rezept – beruhigt ihn dann wieder. Sobald Hansi die Eisenbahn von Junior erblickt, glänzen seine Augen wie der Europapokal von 1974, dessen Replikat in seinem Safe schlummert, ohne dass es jemand weiß. Mit seinem Vorschlag, einen Mops für die WG zu holen, konnte sich Hansi noch nicht durchsetzen. Der Dauersingle kann mit einem außergewöhnlichen Talent punkten: Er kann alle Rabatte des Presseausweises im Schlaf runterbeten. Damit hatte er sich sogar mal bei „Wetten, dass..?“ angemeldet. Auf eine Antwort wartet er bis heute. Nicht so geschickt stellt er sich mit den Spielernamen des 1. FCM an. Die wirbelt er häufiger mal wild durcheinander.